Gott und ich

Bei einer Weihnachtsfeier wurde mir bewusst, dass es an der Zeit ist auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Eine inzwischen wirklich gute Freundin bemerkte gestern bei ihrem Rückblick, dass diese Adventszeit – obwohl wir auf die Ankunft des Lichts warten – im Moment auch viel Finsternis bringe und da fiel mir auf, dass auch bei mir seit dem Adventsfest der 100.000 Lichter ohne Vorankündigung und in äußerlich fröhlichen, lichten Situationen einige Schatten über meine Seele zogen, die mich regelrecht aus der Fassung brachten. Während sie sicherlich ganz konkrete Dinge im Blick hatte, kann ich die bei mir aufflackernde Finsternis im Advent nicht erklären. Aber die tiefe Traurigkeit in fröhlichen Momenten ist mir dieses Jahr Realität.

Der Rückblick:

Alles fing damit an, dass ich mir wieder mehr Kopfkino – also sprechende Bilder im Kopf – wünschte, um kreative Schreibanlässe für meine Homepage zu haben … also nicht das Elend in der Welt, sondern die Schreiberei hier. Dass ich mir zu diesem Anlass einen Satz Tarot-Karten kaufte, kam an „höherer Stelle“ offensichtlich nicht besonders gut an. Seither habe ich eine Flut sprechender Bilder in meinem Kopf, gegen die die Bildchen auf den Tarot-Karten geradezu simpel, ja armselig sind.

Vielleicht sollte ich einfach mal wieder sonntags in den Gottesdienst gehen, war zu lange nicht mehr da. Die Gedanken anderer anzuhören, ein paar vorformulierte Texte aufzusagen und ein paar durchaus gefällige Lieder zu singen ist sowohl zeitlich wie auch arbeitstechnisch wesentlich weniger aufwändig, als dieses Wirrwarr sprechender Bilder in sequentielle Texte zu pressen. Aber wenn ich ehrlich bin (und wie sollte ich meinem Gott da etwas vormachen können), will ich’s gar nicht anders…

Also, warum lässt Gott das Elend zu? (also jetzt das in der Welt, nicht das in meinem Kopf)

Selbst unter Christen ein umstrittener Punkt: Muss ich wirklich nichts tun, um Erlösung und damit ewiges Leben bei Gott zu haben? Genügt es wirklich, einfach nur zu an Jesus Christus und sein Erlösungswerk zu glauben um einen Platz in Gottes Reich zu ergattern? Das widerspricht doch völlig allen unseren Erfahrungen in dieser Welt.

Auch hierzu möchte ich ein Bild, einen verständlichen Vergleich, anbieten.

Eine beliebte Streitfrage für Nichtgläubige oder Andersgläubige, die zwar an Gott glauben, aber das Christentum ablehnen:

Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist - Wie können drei einer sein? Das ist doch Unfug (oder wahlweise Gotteslästerung)!

Mir spukt da ein ganz einfaches Bild im Kopf rum, das zwar dieses Geheimnis des Glaubens nicht vollkommen klärt, aber doch ein bisschen anschaulicher macht.

Es ist erst Dienstag, aber das könnte für mich eine eigenartige und bemerkenswerte Woche werden!

Als Gott vor über einem Jahr entschied, unsere Beziehung auf eine neue Basis zu stellen, kam in mir schnell der Wunsch auf, ein Lied zu haben, das ausdrückt, was in mir vorgeht - ich singe halt gern. Also machte ich mich auf die Suche in Schlagern, Pop- und Rocksongs und in Gospels und Lobpreisliedern. In der Tat gibt es viele schöne Lieder, die einzelne Aspekte meiner Beziehung ansprechen und die tief ins Herz gehen. Ich singe sie gerne und - soweit ich sie beherrsche - auch leidenschaftlich, aber irgendwie sind es immer "Lieder der Anderen". Ich wollte doch so gerne ein Lied meines Herzens und ich bat Gott darum, mir eins zu geben. Gott hört genau hin!

… dann weiß er sicher, dass ein Aufschrei der Entrüstung rund um den Globus gehen wird, denn das verstehen moderne, aufgeklärte Menschen als frontalen Angriff auf ihre Souveränität und ihre humanistischen Werte.

„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert! Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert.“ (Mt 10, 34-37)

Auch wenn der Vergleich hart und unmenschlich erscheint, glaube ich, dass die Entrüstung nicht aus dem Vergleich selbst, sondern auch einer Unkenntnis des Wort Gottes entspringt.

„Die Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht.“ (Jak 2,13)

Es erscheint mir grade eine Abfolge von Bildern und ich wünsche mir einfach, dass Gott es ist der spricht. Ja, ich glaube es.

Du großer, barmherziger Gott,
du lieber Vater im Himmel!

Mit dieser Frage endete gestern der Bibelkreis, denn die versammelte Truppe - einschließlich mir selbst - war geschlossen müde von der Hitze und konnte diese letzte Wendung nicht mehr mitgehen.

Dabei war die Antwort im Raum.

Himmlischer Vater!

Letzte Pfingsten hast du mir das größte Geschenk gemacht, das ich jemals bewusst wahrgenommen habe.

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